Ich neige dazu Menschen dorthin zu schubsen, wo sich nicht unbedingt freiwillig hinwollen.
Das klingt relativ brutal und so kommt es leider manchmal auch an. Um jetzt nicht in einem ganz schlechten Licht stehen zu bleiben werde ich dazu noch was sagen.
Die Art und Weise zu lernen.
Hören — analysieren — sehen — sprechen — Bodypercussion
Was jemand schon kann interessiert mich als Lehrer nicht mehr so sehr, ausser dass ich mich darüber freue, und dass ich unter Umständen darauf aufbauen kann.
Als Lehrer interessiert mich aber mehr, was jetzt noch nicht möglich ist.
Die blinden Flecken. Die sogenannten Unmöglichkeiten.
Was die meisten Schüler nicht erwarten ist, dass eine Lernsituation sich plötzlich nicht mehr nur um den Stoff dreht, sondern um ihre eigene ART und WEISE zu lernen, die hoffentlich danach dürstet erweitert zu werden.
Selbst wenn das der Fall ist, kommt es zu erheblichen Widerständen und Widersprüchen, die wesentlich komplizierter zu bearbeiten sind als "Stoff Unkenntnis" oder fehlende oder nicht ausgebaute Fertigkeit. Oft steht unserem Ausbau der Fertigkeiten aber genau unsere ART und WEISE im Weg.
Hier ein Beispiel um zu illustrieren, was ich damit meine. Stell dir vor du bist sehr dick und schwer und möchtet Stabhochspringer werden. Dann musst du dich um ganz andere Dinge kümmern, als um Absprungtechniken usw.
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Lernsituation und Wirr - klichkeit
Lern-Stoff wird unter Umständen so aufbereitet, dass er mit der Wirklichkeit nicht mehr soviel zu tun hat.
Das muss man den Schülern immer mal wieder sagen, weil sie gehen davon aus "DASS ES SO IST".
Beispiel:
Dadurch, dass wir oft in einer Gruppen-Unterrichts-Situatiion sind, werden Figuren, die wir lernen abgezält:
Das 4 mal, dann zwei Beats Pause, dann ein Signal, dann 8 mal das usw.
Wenn mein Kurs westafrikanische Rythmen heisst, glauben die Schüler, dass westafrikanische Rhythmen so sind, weil ich ihnen das ja so beibringe.
Oder,
das Einzählen von Rhythmen, oder das durchzählen von Rhythmen 1,2,3,4 usw.
Und anschliessend sagen wir z.B. das hört auf der 4 auf, oder das fängt bei der 1 an........
Es ist den schülern oft nkcht klar, dass dies nur ein Orientierungssystem ist, das wir installieren und benutzen.
Es geschieht oft, dass afrikanische Musiker, die mit solchen Betrachtungsweisen konfrontiert werden, total verwirrt sind, und wir uns wundern wieso, weil:
"Das ist doch ganz klar!"
und, und, und.........
Das muss man den Schülern immer mal wieder sagen, weil sie gehen davon aus "DASS ES SO IST".
Beispiel:
Dadurch, dass wir oft in einer Gruppen-Unterrichts-Situatiion sind, werden Figuren, die wir lernen abgezält:
Das 4 mal, dann zwei Beats Pause, dann ein Signal, dann 8 mal das usw.
Wenn mein Kurs westafrikanische Rythmen heisst, glauben die Schüler, dass westafrikanische Rhythmen so sind, weil ich ihnen das ja so beibringe.
Oder,
das Einzählen von Rhythmen, oder das durchzählen von Rhythmen 1,2,3,4 usw.
Und anschliessend sagen wir z.B. das hört auf der 4 auf, oder das fängt bei der 1 an........
Es ist den schülern oft nkcht klar, dass dies nur ein Orientierungssystem ist, das wir installieren und benutzen.
Es geschieht oft, dass afrikanische Musiker, die mit solchen Betrachtungsweisen konfrontiert werden, total verwirrt sind, und wir uns wundern wieso, weil:
"Das ist doch ganz klar!"
und, und, und.........
von Anfang an
Begreifen - Verstehen
Begreifen:
greifen, fühlen, berühren, erleben......
Verstehen
stehen, auf etwas stehen, bestehen? mit dem Verstand, Wissen
siehe auch
greifen, fühlen, berühren, erleben......
Verstehen
stehen, auf etwas stehen, bestehen? mit dem Verstand, Wissen
siehe auch
Warum funktioniert das Lernen auch ohne Worte?
bezieht sich im Moment hauptsächlich auf das Erlernen der Töne (Bom, Tu, Ta)
Vielleicht hast du es sogar erlebt. Du begegnest einem afrikanischen Trommler, der mit deinen Sounds/Tönen auf der Trommel nicht zufriednen ist, und dir zeigen möchte, wie "es richtig ist".
Das macht er in der Regel so, dass er auf seine eigene Trommel schlägt, die entsprechenden Töne spielt und sagt: "So".
Vielleicht hast du danach gefragt: "Wie". Und meintest damit vielleicht: "Krieg ich noch eine Erklärung", also Worte, die genau beschreiben, wo ich auftreffen soll, wie ich meine Finger halten soll, meinen Arm bewegen soll usw. usf.
Ist der afrikanische Trommler unerfahren im Umgang mit Weissen*, kann er das meist nicht. Er kann es nur tun.
Aus der Gehirnforschung der letzten Jahre gibt es nun folgende Information.
1.Spiegelneuronen
nachzulesen im Buch von Richard David Recht mit dem Titel:
Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
Seite 164 folgende
……er nannte die Nervenzellen, die beim passiven Nachvollziehen die gleichen Reaktionen im Gehirn auslösen wie beim tatsächlichen Handeln, Spiegelneuronen. Ein neues Zauberwort war geboren. Sofort stürzten sich viele Hirnforscher erst in Italien und dann an den Universitäten und Forschungsinstituten in aller Welt auf die Erforschung der Spiegelneuronen. Wenn es richtig ist, dass auch das menschliche Gehirn keinen Unterschied macht zwischen dem, was wir selbst erleben, und dem, was wir nur intensiv beobachten und mitfühlen - liegt dann hier nicht der Schlüssel zum Verständnis unseres Sozialverhaltens?
Zumindest sind sie ein wichtiger Baustein. Spiegelneuronen liegen im frontalen Cortex des Stirn Lappens, in einem Bereich der Insel genannt wird. Diese Insel allerdings ist etwas anderes als das Sozialzentrum die vetromediale Region von der bislang die Rede war. Das ist auch klar, denn Spiegelneuronen haben zwar etwas mit unbewusster Einfühlung, aber nichts mit umfangreicheren Planen, Entscheiden oder Wollen zu tun.
Wie diese Gehirnregionen zusammen spielen, ist noch immer weitgehend unbekannt. Besonders elektrisiert war die Fachwelt, als Rizzolatti vor sechs Jahren mithilfe bildgebender Verfahren zeigen konnte, dass Spiegelneuronen bei Menschen ganz offensichtlich auch in der Nähe des Broca-zentrums liegen eine der beiden Gehirnregionen, die für die Sprache zuständig sind. Und schon Forscher der Universität Groningen in den Niederlanden entdeckten unlängst einen spannenden Zusammenhang zwischen dem Hören von Geräuschen und dem Funken von Spiegelneuronen. Menschen, die eine Getränkedosen zischen hören, reagieren im Gehirn genauso, als ob sie selbst die Dose öffnen würden. Schon ein Geräusch allein reicht aus, um die ganze Situation zu erleben. Diejenigen Testpersonen, deren Gehirn sich dabei besonders aktiv zeigte, waren zugleich dieselben, die meinten, dass sie sich besonders gut in andere Menschen hineinversetzen können. Gleich mehrere Forscher in den USA untersuchten Kinder, die nur eingeschränkt auf Ansprache durch ihren Mitmenschen reagierten. Sie stellten fest, dass Kinder mit autistischen Störungen ganz offensichtlich ein Problem mit ihrem Spiegelneuronen haben. Sie werden nur schwach oder gar nicht aktiviert……Zitat Ende
Mein besonderes Interesse erregte der Satz:
dass auch das menschliche Gehirn keinen Unterschied macht zwischen dem, was wir selbst erleben, und dem, was wir nur intensiv beobachten und mitfühlen
Wenn ich das auf das Lernen von Trommeltönen übertrage. Ich muss also nicht wissen wie Trommeltöne gespielt werden. Es reicht, intensiv zu beobachten und mit zu fühlen wie jemand die richtigen Töne spielt; meine Spiegelneuronen in meinem Gehirn lernen die entsprechenden Reaktionen und später werden diese Reaktionen meinen Händen beibringen wie sie die Töne richtig machen.
2. Können ohne zu wissen
aus dem Buch:
Lernen — Gehirnforschung und die Schule des Lebens
von Manfred Spitzer
Seite 62 ff
Synapsenstärken können viel
Woran liegt es eigentlich, dass wir nicht alles, was wir können, auch explizit wissen? Erinnern wir uns an das vorhergehende Kapitel: Information ist im Gehirn in Form von Verbindungsstärken zwischen Neuronen gespeichert. Diese Verbindungsdaten bewirken, dass das Gehirn bei einem bestimmten Input einen bestimmten Output produziert. Das Ganze geschieht ohne jegliche explizite, sprachlich gefasste Regel. Der Affe, der je nach herannahender Raubtierart einen anderen Warnschrei aus stößt, kennt auch nicht die Regeln "wenn ein Raubvogel, dann Schrei A"; "wenn Löwe, dann Schrei B" et cetera., aber er verhält sich danach. Ein visueller Input sorgte bei ihm regelhaft für einen entsprechenden akustischen Output.
Kommt ein Löwe zur linken Tür herein, so erreicht eine schlechte Schwarzweißkopie des Bildes des Löwen auf unserer Netzhaut bereits nach weniger als 200 ms den Mandelkern. Der sorgt dafür, das Blutdruck, Puls und Muskelspannung ansteigen, lange bevor das Farbareal in unserer Gehirnrinde dessen Farbe mit beige-Braun-gelblich heraus geknobelt hat. In dieser Zeit rennen wir bereits zur rechten Tür! (Und wer dieses Input-Output-Mapping nicht so rasch beherrschte, zählt nicht zu unseren Vorfahren!) Das Gehirn bewerkstelligt die Produktion des Output durch die richtigen Synapsenstärken. In diesen ist unser Können gespeichert. Man kann zeigen, dass überhaupt nur dadurch dass unser Gehirn auf diese Weise funktioniert, es auch so gut funktioniert. Verglichen mit Computerchips sind Nervenzellen langsam und unzuverlässig. Dass wir uns trotz dieser, wie die Amerikaner sagen, lausigen Hardware in unseren Köpfen so erfolgreich verhalten können, liegt genau daran, dass neuronale Informationsverarbeitung mittels Erregungsübertragung an sehr vielen Synapsen sehr vieler Neuronen geschieht.
Wir haben allerdings keinen direkten Zugang zu dieser Ebene unserer Hirnfunktionen. Ebenso wenig, wie sie den Zustand jeder Zelle unserer Magenschleimhaut oder unseres Herzmuskels kennen, kennen wir den Zustand unserer Neuronen. Die Maschinerie, der im Gehirn ablaufenden Informationsverarbeitung ist uns ebenso wenig direkt zugänglich wie die Maschinerie der Informationsverarbeitung im Computer auf unserem Schreibtisch. Wir blicken auf den Farbbildschirm, sehen Symbole und hantieren mit ihnen, obwohl tief im Inneren des Computers "nur" Nullen und Einsen nach wenigen logischen Regeln miteinander verknüpft werden. Wenn wir die Augen schließen, um in uns hineinzuhören, und unserem Geist bei der Arbeit zuschauen wollen, so geht es uns dennoch nicht viel anders als vor dem Computerbildschirm: wir blicken keineswegs auf Neuronen und Synapsen, sondern auf das im Laufe der Evolution entstandene überwiegend grafische User-Interface unseres Gehirns in Form innerer Bilder und Töne sowie zuweilen Sprachbruchstücke. Die eigentliche Informationsverarbeitungsmaschinerie in unserem Gehirn jedoch erkennen wir nicht. Sie ist uns verborgen und wenn wir sie erkennen wollen, bleibt nur der harte Weg wissenschaftlicher Untersuchungen.
Daher dauerte es recht lange, bis die Hirnforschung dieser Maschinerie zumindest teilweise auf die Schliche kamen. Es bedurfte neuer Techniken und neuer Begriffe, um die Funktionen von Nervenzellen erfahrbar zu machen und um aus diesen Erfahrungen Funktions Prinzipien, Modelle und Theorien abzuleiten.
Konnten wir nicht auch schon lernen, ohne diese Maschinerie zu kennen? —Natürlich! Es ist ja gerade der Witz am Gehirn, dass es auch dann lernt, wenn der lernende Organismus keine Ahnung hat, was vor sich geht. Unser Herz schlägt ja auch ohne Kardiologietheorie und zum Atmen brauchen wir den Lungenfachmann nicht. Zum Arzt geht man nur, wenn etwas nicht beziehungsweise nicht mehr geht. Weil der Arzt weiß, wie die Maschinerie funktioniert, kann er eingreifen und reparieren. Es ist wie beim Automechaniker, der den Motor reparieren kann, weil er ihn kennt. Beide, Arzt und Mechaniker, können sogar noch mehr: Wer Motoren kennt, der weiß wie man mit ihnen umgehen muss, damit sie das Optimum leisten und lange halten. Er wird im Winter nach dem Start hohe Drehzahlen vermeiden oder beispielsweise den Wagen nicht im fünften Gang einen steilen Bär untertourig hinauf quälen. Wer das Herz kennt, der weiß um die Notwendigkeit gesunder Ernährung und körperliche Ertüchtigung, wer die Lunge kennt, hat über das Rauchen eine begründete Meinung.
Und was ist mit dem, der das Gehirn kennt? Nach dem gesagten fällt die Antwort nicht schwer: solange es mit dem lernen und denken klappt, ist das Wissen um die Funktion des Gehirns vielleicht interessant, es ist aber nicht unbedingt nötig,. Wenn aber etwas schief geht, und auch ohne die PISA Studie drängt sich der Gedanke im Hinblick auf unsere Schulen schon lange auf dann wird das Wissen um die die Gehirnfunktion besonders wichtig.
Zitat Ende.
der für mich an dieser Stelle wichtige Satz:
Konnten wir nicht auch schon lernen, ohne diese Maschinerie zu kennen? —Natürlich! Es ist ja gerade der Witz am Gehirn, dass es auch dann lernt, wenn der lernende Organismus keine Ahnung hat, was vor sich geht.
Vielleicht hast du es sogar erlebt. Du begegnest einem afrikanischen Trommler, der mit deinen Sounds/Tönen auf der Trommel nicht zufriednen ist, und dir zeigen möchte, wie "es richtig ist".
Das macht er in der Regel so, dass er auf seine eigene Trommel schlägt, die entsprechenden Töne spielt und sagt: "So".
Vielleicht hast du danach gefragt: "Wie". Und meintest damit vielleicht: "Krieg ich noch eine Erklärung", also Worte, die genau beschreiben, wo ich auftreffen soll, wie ich meine Finger halten soll, meinen Arm bewegen soll usw. usf.
Ist der afrikanische Trommler unerfahren im Umgang mit Weissen*, kann er das meist nicht. Er kann es nur tun.
Aus der Gehirnforschung der letzten Jahre gibt es nun folgende Information.
1.Spiegelneuronen
nachzulesen im Buch von Richard David Recht mit dem Titel:
Wer bin ich und wenn ja, wie viele?
Seite 164 folgende
……er nannte die Nervenzellen, die beim passiven Nachvollziehen die gleichen Reaktionen im Gehirn auslösen wie beim tatsächlichen Handeln, Spiegelneuronen. Ein neues Zauberwort war geboren. Sofort stürzten sich viele Hirnforscher erst in Italien und dann an den Universitäten und Forschungsinstituten in aller Welt auf die Erforschung der Spiegelneuronen. Wenn es richtig ist, dass auch das menschliche Gehirn keinen Unterschied macht zwischen dem, was wir selbst erleben, und dem, was wir nur intensiv beobachten und mitfühlen - liegt dann hier nicht der Schlüssel zum Verständnis unseres Sozialverhaltens?
Zumindest sind sie ein wichtiger Baustein. Spiegelneuronen liegen im frontalen Cortex des Stirn Lappens, in einem Bereich der Insel genannt wird. Diese Insel allerdings ist etwas anderes als das Sozialzentrum die vetromediale Region von der bislang die Rede war. Das ist auch klar, denn Spiegelneuronen haben zwar etwas mit unbewusster Einfühlung, aber nichts mit umfangreicheren Planen, Entscheiden oder Wollen zu tun.
Wie diese Gehirnregionen zusammen spielen, ist noch immer weitgehend unbekannt. Besonders elektrisiert war die Fachwelt, als Rizzolatti vor sechs Jahren mithilfe bildgebender Verfahren zeigen konnte, dass Spiegelneuronen bei Menschen ganz offensichtlich auch in der Nähe des Broca-zentrums liegen eine der beiden Gehirnregionen, die für die Sprache zuständig sind. Und schon Forscher der Universität Groningen in den Niederlanden entdeckten unlängst einen spannenden Zusammenhang zwischen dem Hören von Geräuschen und dem Funken von Spiegelneuronen. Menschen, die eine Getränkedosen zischen hören, reagieren im Gehirn genauso, als ob sie selbst die Dose öffnen würden. Schon ein Geräusch allein reicht aus, um die ganze Situation zu erleben. Diejenigen Testpersonen, deren Gehirn sich dabei besonders aktiv zeigte, waren zugleich dieselben, die meinten, dass sie sich besonders gut in andere Menschen hineinversetzen können. Gleich mehrere Forscher in den USA untersuchten Kinder, die nur eingeschränkt auf Ansprache durch ihren Mitmenschen reagierten. Sie stellten fest, dass Kinder mit autistischen Störungen ganz offensichtlich ein Problem mit ihrem Spiegelneuronen haben. Sie werden nur schwach oder gar nicht aktiviert……Zitat Ende
Mein besonderes Interesse erregte der Satz:
dass auch das menschliche Gehirn keinen Unterschied macht zwischen dem, was wir selbst erleben, und dem, was wir nur intensiv beobachten und mitfühlen
Wenn ich das auf das Lernen von Trommeltönen übertrage. Ich muss also nicht wissen wie Trommeltöne gespielt werden. Es reicht, intensiv zu beobachten und mit zu fühlen wie jemand die richtigen Töne spielt; meine Spiegelneuronen in meinem Gehirn lernen die entsprechenden Reaktionen und später werden diese Reaktionen meinen Händen beibringen wie sie die Töne richtig machen.
2. Können ohne zu wissen
aus dem Buch:
Lernen — Gehirnforschung und die Schule des Lebens
von Manfred Spitzer
Seite 62 ff
Synapsenstärken können viel
Woran liegt es eigentlich, dass wir nicht alles, was wir können, auch explizit wissen? Erinnern wir uns an das vorhergehende Kapitel: Information ist im Gehirn in Form von Verbindungsstärken zwischen Neuronen gespeichert. Diese Verbindungsdaten bewirken, dass das Gehirn bei einem bestimmten Input einen bestimmten Output produziert. Das Ganze geschieht ohne jegliche explizite, sprachlich gefasste Regel. Der Affe, der je nach herannahender Raubtierart einen anderen Warnschrei aus stößt, kennt auch nicht die Regeln "wenn ein Raubvogel, dann Schrei A"; "wenn Löwe, dann Schrei B" et cetera., aber er verhält sich danach. Ein visueller Input sorgte bei ihm regelhaft für einen entsprechenden akustischen Output.
Kommt ein Löwe zur linken Tür herein, so erreicht eine schlechte Schwarzweißkopie des Bildes des Löwen auf unserer Netzhaut bereits nach weniger als 200 ms den Mandelkern. Der sorgt dafür, das Blutdruck, Puls und Muskelspannung ansteigen, lange bevor das Farbareal in unserer Gehirnrinde dessen Farbe mit beige-Braun-gelblich heraus geknobelt hat. In dieser Zeit rennen wir bereits zur rechten Tür! (Und wer dieses Input-Output-Mapping nicht so rasch beherrschte, zählt nicht zu unseren Vorfahren!) Das Gehirn bewerkstelligt die Produktion des Output durch die richtigen Synapsenstärken. In diesen ist unser Können gespeichert. Man kann zeigen, dass überhaupt nur dadurch dass unser Gehirn auf diese Weise funktioniert, es auch so gut funktioniert. Verglichen mit Computerchips sind Nervenzellen langsam und unzuverlässig. Dass wir uns trotz dieser, wie die Amerikaner sagen, lausigen Hardware in unseren Köpfen so erfolgreich verhalten können, liegt genau daran, dass neuronale Informationsverarbeitung mittels Erregungsübertragung an sehr vielen Synapsen sehr vieler Neuronen geschieht.
Wir haben allerdings keinen direkten Zugang zu dieser Ebene unserer Hirnfunktionen. Ebenso wenig, wie sie den Zustand jeder Zelle unserer Magenschleimhaut oder unseres Herzmuskels kennen, kennen wir den Zustand unserer Neuronen. Die Maschinerie, der im Gehirn ablaufenden Informationsverarbeitung ist uns ebenso wenig direkt zugänglich wie die Maschinerie der Informationsverarbeitung im Computer auf unserem Schreibtisch. Wir blicken auf den Farbbildschirm, sehen Symbole und hantieren mit ihnen, obwohl tief im Inneren des Computers "nur" Nullen und Einsen nach wenigen logischen Regeln miteinander verknüpft werden. Wenn wir die Augen schließen, um in uns hineinzuhören, und unserem Geist bei der Arbeit zuschauen wollen, so geht es uns dennoch nicht viel anders als vor dem Computerbildschirm: wir blicken keineswegs auf Neuronen und Synapsen, sondern auf das im Laufe der Evolution entstandene überwiegend grafische User-Interface unseres Gehirns in Form innerer Bilder und Töne sowie zuweilen Sprachbruchstücke. Die eigentliche Informationsverarbeitungsmaschinerie in unserem Gehirn jedoch erkennen wir nicht. Sie ist uns verborgen und wenn wir sie erkennen wollen, bleibt nur der harte Weg wissenschaftlicher Untersuchungen.
Daher dauerte es recht lange, bis die Hirnforschung dieser Maschinerie zumindest teilweise auf die Schliche kamen. Es bedurfte neuer Techniken und neuer Begriffe, um die Funktionen von Nervenzellen erfahrbar zu machen und um aus diesen Erfahrungen Funktions Prinzipien, Modelle und Theorien abzuleiten.
Konnten wir nicht auch schon lernen, ohne diese Maschinerie zu kennen? —Natürlich! Es ist ja gerade der Witz am Gehirn, dass es auch dann lernt, wenn der lernende Organismus keine Ahnung hat, was vor sich geht. Unser Herz schlägt ja auch ohne Kardiologietheorie und zum Atmen brauchen wir den Lungenfachmann nicht. Zum Arzt geht man nur, wenn etwas nicht beziehungsweise nicht mehr geht. Weil der Arzt weiß, wie die Maschinerie funktioniert, kann er eingreifen und reparieren. Es ist wie beim Automechaniker, der den Motor reparieren kann, weil er ihn kennt. Beide, Arzt und Mechaniker, können sogar noch mehr: Wer Motoren kennt, der weiß wie man mit ihnen umgehen muss, damit sie das Optimum leisten und lange halten. Er wird im Winter nach dem Start hohe Drehzahlen vermeiden oder beispielsweise den Wagen nicht im fünften Gang einen steilen Bär untertourig hinauf quälen. Wer das Herz kennt, der weiß um die Notwendigkeit gesunder Ernährung und körperliche Ertüchtigung, wer die Lunge kennt, hat über das Rauchen eine begründete Meinung.
Und was ist mit dem, der das Gehirn kennt? Nach dem gesagten fällt die Antwort nicht schwer: solange es mit dem lernen und denken klappt, ist das Wissen um die Funktion des Gehirns vielleicht interessant, es ist aber nicht unbedingt nötig,. Wenn aber etwas schief geht, und auch ohne die PISA Studie drängt sich der Gedanke im Hinblick auf unsere Schulen schon lange auf dann wird das Wissen um die die Gehirnfunktion besonders wichtig.
Zitat Ende.
der für mich an dieser Stelle wichtige Satz:
Konnten wir nicht auch schon lernen, ohne diese Maschinerie zu kennen? —Natürlich! Es ist ja gerade der Witz am Gehirn, dass es auch dann lernt, wenn der lernende Organismus keine Ahnung hat, was vor sich geht.