In meiner Geschichte ist die eine Welt der Teil von Westafrika, in der die Djembe-Musik entstanden ist; bzw. genauer, die Trommler der Djembe Musik. Die andere Welt sind viele Welten, nämlich die der Menschen nichtafrikanischer Nationen, die begannen sich für die Djembe Musik zu interessieren. Ich schreibe aber hauptsächlich über Menschen aus Deutschland.
Wie in fast jeder spannenden Geschichte kommt es zu Komplikationen. Die Ausrufezeichen werden gegen Fragezeichen eingetauscht. Viele Antworten, die dann folgen, und die auch schon vorher eingetroffen waren, tragen MissVerständnis mit sich: Sprachlicher Art, begrifflicher Art, oder hervorgerufen durch kulturelle Unterschiede etc...... Dabei rede ich nicht nur über die Musik, sonder beziehe alle Ebenen ein, die damit zu tun haben (Die gesellschaftlichen Regeln, also den Umgang miteinander, die Genauigkeit der Sprache, der Stellenwert/Bedeutung der Musik in dem Zusammenhang, in dem sie gespielt/benutzt wird, die Präzision der eigenen Kommunikation, des eigenen Denkens und Handelns). Schon allein die unterschiedliche Funktion, die Musik in den verschiedenen Kulturen hat (als Tanzmusik, als gesellschaftliches Ereignis, als Konserve, als etwas das man lernt, als etwas, das man kauft etc.), führte dazu, dass manche Fragen eher am Thema vorbeiführten.
Zitat aus dem Buch: Zum Verstehen afrikanischer Musik / Gerhard Kubik: Das Studium afrikanischer Musik an Ort und Stelle, bei den Trägern der betreffenden Kulturen, kann vielen Missverständnissen vorbeugen. Es beginnt am besten mit dem Erlernen der lokalen Sprache und eines Instruments. Dies kann durch spätere Partizipation, etwa bei Tanzveranstaltung, erweitert werden. Empfehlenswert ist jedoch, nur dann zu partizipieren, wenn man einen Aspekt tatsächlich gründlich verstanden hat und beherrscht.
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Die Begegnung mit dem Fremden
Wenn wir etwas Fremdes verstehen/begreifen* wollen,
müssen wir es in unsere Begrifflichkeit übersetzen, und verlieren dabei immer etwas vom Original.
Das Original gibt es nur dort, wo es lebt. In einer anderen Zeit an einem anderen Ort mit anderen Menschen ist es nicht mehr das Original.
müssen wir es in unsere Begrifflichkeit übersetzen, und verlieren dabei immer etwas vom Original.
Das Original gibt es nur dort, wo es lebt. In einer anderen Zeit an einem anderen Ort mit anderen Menschen ist es nicht mehr das Original.
Die Namen der Rhythmen
Ein weit verbreiteter Irrtum entstand dadurch, dass die meisten Weißen, die ab Mitte der 80er Jahre nach Westafrika reisten, um trommeln zu lernen, sich eigentlich nur für die Musik interessierten.
Ihre Worte dafür waren Rhythmen, was bei vielen eine Vorstellung auslöste, als seien es tatsächlich nur Rhythmen (?). Die hochentwickelte Melodik wurde zwar noch von ihren Ohren empfangen, aber von ihren Gehirnen nicht mehr verarbeitet. Sie waren es auch nicht gewohnt, solche Musik zu hören, und schon gar nicht, dass da auch noch Melodien mit im Spiel waren und sind.
So kam es oft vor, dass die Besucher fragten: “was ist denn das?”, und die Afrikaner antworteten: Kassa oder Diagba, oder Dununba..... Hinter diesen Begriffen verbargen sich aber ganze Welten: Ereignisse, Feste, Lieder, Tänze und Bedeutungen. Die RhythMen*, herausgelöst aus ihrem Zusammenhang, trugen plötzlich den Namen der Ereignisse, in der sie eigentlich nur eine begleitende Funktion hatten. Und plötzlich sagte man: “Das ist Kassa ”, sprach von einem RhythMus*, und übersah dabei völlig, dass Kassa kein Rhythmus ist, sondern einen Vorgang benennt, bei dem z.B. eine bestimmte Musik eine bestimmte Feldarbeit begleitet (Vorsicht, auch diese Erklärung ist viel zu kurz, um den Punkt zu treffen!!).
Inzwischen setzt es sich auch in Westafrika durch, dass die Rhythmen selbst Namen tragen, und es scheint ein allgemeiner Trend der Sprach-Vereinfachung zu sein. Parallele: Walzer, Rumba, Samba ???
Auch andere Afrikaner, die nicht mit dieser Musik und ihren Funktionen aufgewachsen waren, begannen Djembé zu spielen, nahmen Stücke der Musik, die sie hörten, garniert mit kleinen Informationsbrocken, und kreierten ihren eigenen Trommelcocktail, den sie an lernhungrige und trommelbegeisterte Menschen weiterreichten. Und wir glauben und glaubten, das, was Afrikaner an afrikanischen Rhythmen weitergaben muss ja authentisch sein.
Interessante Phänomene tauchten in der Welt der Worte um die Rhythmen auf.
Plötzlich gab es einen Dununba* für Frauen.
Ein Rhythmus hieß für den einen Balakulandyan (Famoudou Konate) und für den anderen Soli (Mamadi Keita), und, und und............!
siehe auch Namen
Ihre Worte dafür waren Rhythmen, was bei vielen eine Vorstellung auslöste, als seien es tatsächlich nur Rhythmen (?). Die hochentwickelte Melodik wurde zwar noch von ihren Ohren empfangen, aber von ihren Gehirnen nicht mehr verarbeitet. Sie waren es auch nicht gewohnt, solche Musik zu hören, und schon gar nicht, dass da auch noch Melodien mit im Spiel waren und sind.
So kam es oft vor, dass die Besucher fragten: “was ist denn das?”, und die Afrikaner antworteten: Kassa oder Diagba, oder Dununba..... Hinter diesen Begriffen verbargen sich aber ganze Welten: Ereignisse, Feste, Lieder, Tänze und Bedeutungen. Die RhythMen*, herausgelöst aus ihrem Zusammenhang, trugen plötzlich den Namen der Ereignisse, in der sie eigentlich nur eine begleitende Funktion hatten. Und plötzlich sagte man: “Das ist Kassa ”, sprach von einem RhythMus*, und übersah dabei völlig, dass Kassa kein Rhythmus ist, sondern einen Vorgang benennt, bei dem z.B. eine bestimmte Musik eine bestimmte Feldarbeit begleitet (Vorsicht, auch diese Erklärung ist viel zu kurz, um den Punkt zu treffen!!).
Inzwischen setzt es sich auch in Westafrika durch, dass die Rhythmen selbst Namen tragen, und es scheint ein allgemeiner Trend der Sprach-Vereinfachung zu sein. Parallele: Walzer, Rumba, Samba ???
Auch andere Afrikaner, die nicht mit dieser Musik und ihren Funktionen aufgewachsen waren, begannen Djembé zu spielen, nahmen Stücke der Musik, die sie hörten, garniert mit kleinen Informationsbrocken, und kreierten ihren eigenen Trommelcocktail, den sie an lernhungrige und trommelbegeisterte Menschen weiterreichten. Und wir glauben und glaubten, das, was Afrikaner an afrikanischen Rhythmen weitergaben muss ja authentisch sein.
Interessante Phänomene tauchten in der Welt der Worte um die Rhythmen auf.
Plötzlich gab es einen Dununba* für Frauen.
Ein Rhythmus hieß für den einen Balakulandyan (Famoudou Konate) und für den anderen Soli (Mamadi Keita), und, und und............!
siehe auch Namen
Worte
Worte sind unheimlich hilfreich. Sie können Vorgänge wahnsinnig beschleunigen, weil sie wunderbar zusammenfassen können und sehr komplexes und Vielfältiges unter einen Beschreibungs-Hut bringen können.
Nehmen wir das Wort Apfel, oder Apfelbaum: Unglaublich viele Arten, Wesen, Typen, Grössen, Geschmäcker usw. zusammengefasst in 5 bzw. 9 Buchstaben. Wenn es um Äpfel geht werden wir kaum in Schwierigkeiten kommen, was diese Vereinfachung betrifft. Derjenige, der mit Äpfeln handelt schon eher. Was ist aber mit Begriffen wie Zeit, Liebe, Vertrauen, Verantwortung, Glück....... Leicht kommt es zu zwischenmenschlichen Komplikationen, weil wir DASSELBE sagen, aber etwas ANDERES meinen.
Verwechseln wir nicht die Worte mit der Wirklichkeit, auch wenn sie Wirklichkeit erzeugen.
Ein Malinke* RhythMus* ist kein 4/4tl Rhythmus (und wird es auch nicht werden), ABER, wenn ich mich schnell mit einem europäischen Musiker verständigen will, kann ich ihm sagen, betrachte es wie einen 4/4tl Rhythmus. Und falls er zur Orientierung auch noch eine "1" braucht , geben wir ihm auch noch eine Stelle im Rhythmus, die gewissen Funktionen einer "1"* übernehmen könnte. Das heisst aber noch lange nicht dass es dort eine "1"* gibt.
Es ist ein Unterschied,
— ob ich etwas so und so betrachte, das heisst meine Denkschema sozusagen darüber stülpe, oder
— ob etwas wirklich so ist (aber wer weiss schon, wie etwas wirklich ist?).
Worte sind etwas Wunderbares, aber manchmal zu effektiv, zu schnell, und zu gleichmachend.
Nehmen wir das Wort Apfel, oder Apfelbaum: Unglaublich viele Arten, Wesen, Typen, Grössen, Geschmäcker usw. zusammengefasst in 5 bzw. 9 Buchstaben. Wenn es um Äpfel geht werden wir kaum in Schwierigkeiten kommen, was diese Vereinfachung betrifft. Derjenige, der mit Äpfeln handelt schon eher. Was ist aber mit Begriffen wie Zeit, Liebe, Vertrauen, Verantwortung, Glück....... Leicht kommt es zu zwischenmenschlichen Komplikationen, weil wir DASSELBE sagen, aber etwas ANDERES meinen.
Verwechseln wir nicht die Worte mit der Wirklichkeit, auch wenn sie Wirklichkeit erzeugen.
Ein Malinke* RhythMus* ist kein 4/4tl Rhythmus (und wird es auch nicht werden), ABER, wenn ich mich schnell mit einem europäischen Musiker verständigen will, kann ich ihm sagen, betrachte es wie einen 4/4tl Rhythmus. Und falls er zur Orientierung auch noch eine "1" braucht , geben wir ihm auch noch eine Stelle im Rhythmus, die gewissen Funktionen einer "1"* übernehmen könnte. Das heisst aber noch lange nicht dass es dort eine "1"* gibt.
Es ist ein Unterschied,
— ob ich etwas so und so betrachte, das heisst meine Denkschema sozusagen darüber stülpe, oder
— ob etwas wirklich so ist (aber wer weiss schon, wie etwas wirklich ist?).
Worte sind etwas Wunderbares, aber manchmal zu effektiv, zu schnell, und zu gleichmachend.
Die schnellen Verallgemeinerungen
Es ist schon alles gesagt
Der Wald mit den Hirschen. Ok, aber damit ist noch längst nicht alles gesagt, was den Wald betrifft, ausser dass da Hirsche drin waren, als ich hineinschaute.
Der Tanz der Männer, ach so!
Aber welche Männer, aus welchem Volk?
Welche Art zu Tanzen genau? Zu welchem Anlass mit welcher Geschichte, und mit welchen Geschichten darin?
Tanzen alle Männer Dununba. Tanzen nur Männer Dununba.
Wenn Männer so, wie im Dununba tanzen, ist es dann immer Dununba
Siehe Dununba*
Tanz der Frauen - genau das Gleiche.............
Der auf den Stelzen - das ist Kakilambe* - aber nicht jeder auf Stelzen ist Kakilambe*
Alle RhythMen*, die beim Dununba* gespielt werden können werden von der Kencedeni* mit der Figur
im Off* begleitet.
wird zu:
Alle RhythMen*, die von der Kencedeni* mit der Figur
begleitet werden, sind Dununbas.
Der Wald mit den Hirschen. Ok, aber damit ist noch längst nicht alles gesagt, was den Wald betrifft, ausser dass da Hirsche drin waren, als ich hineinschaute.
Der Tanz der Männer, ach so!
Aber welche Männer, aus welchem Volk?
Welche Art zu Tanzen genau? Zu welchem Anlass mit welcher Geschichte, und mit welchen Geschichten darin?
Tanzen alle Männer Dununba. Tanzen nur Männer Dununba.
Wenn Männer so, wie im Dununba tanzen, ist es dann immer Dununba
Siehe Dununba*
Tanz der Frauen - genau das Gleiche.............
Der auf den Stelzen - das ist Kakilambe* - aber nicht jeder auf Stelzen ist Kakilambe*
Alle RhythMen*, die beim Dununba* gespielt werden können werden von der Kencedeni* mit der Figur
wird zu:
Alle RhythMen*, die von der Kencedeni* mit der Figur
Methodische Probleme bei der Beschreibung afrikanischer Musik
Der erste Beitrag ist aus dem Buch
Zum Verstehen afrikanischer Musik von Gerhard Kubik
Lit Verlag Wien 2004
Seite 52
(Hervorhebungen von Fränki B. Frank)
Eines der konzeptuellen und methodologischen Hindernisse beim Studium und der Beschreibung afrikanischer Kulturen und ihrer verschiedenen Ausdrucksbereiche besteht in der Illusion ihrer Übersetzbarkeit. Dies gilt auch ganz besonders für den Bereich Musik/Tanz. Im Grunde genommen ist es nicht möglich, die kognitive Dimension irgendeiner spezifischen afrikanischen Musikkultur in europäischen Sprachen völlig richtig darzustellen.
Besonders das Vokabular der europäischen Musiktheorie hat kaum eine Chance, die Vorstellungswelt afrikanischer Musikkulturen zu erfassen, sondern erwies sich im Gegenteil bisher als das wichtigste Werkzeug zu ihrer Fehlinterpretation........
Seite 95
.......zweifelte selten jemand an der universellen Gültigkeit der europäischen Notenschrift zur Transkription von Musik.
Im Augenblick aber, wo versucht wurde, diese Time-line-Formel mittels der durationalen Zeichen der europäischen Notenschrift darzustellen, änderte sich ihr konzetueller Gehalt, wenn auch nicht ihr "Rhythmus"
der nächste Beitrag ist von Johannes Beer, erschienen im Booklet der CD: TROMMEL RHYTHMEN
DER MALINKE-HAMANA/GUINEA
Meistertrommler Famoudou Konate
Rhythmische Phänomene
Afrikanisches Musikempfinden unterscheidet sich fundamental vom westlichen Musik denken (denken unterscheidet sich immer von Empfinden). Deshalb soll versucht werden, Begriffe wie »Takt«, »Viertel«, »Achtel«, etc. zu vermeiden und durch allgemeinere, von der westlichen Musiksprache unbelastete Ausdrücke zu ersetzen.
Zu der in der afrikanischen Musikforschung heute gebräuchlichen Terminologie verweisen wir auf Kubik 1988 und Simon 1983.
In vielen musikethnologischen Publikationen wurde die Problematik der Verschiedenheit des »westlichen« und des »nicht-westlichen« Musikverständnisses diskutiert. Hier soll nun der Versuch gemacht werden, mit HiIfe meiner persönlichen Erfahrungen dem Verständnis der afrikanischen Rhythmik ein wenig näher zu kommen. Als klassisch ausgebildeter Schlag-
zeuger habe ich mich umfassend mit rhythmischen Problemen auseinandergesetzt. Bei meiner langjährigen, praktischen Beschäftigung mit afrikanischer Musik sah ich mich jedoch gezwungen, mir ein vollkommen neues Rhythmusempfinden anzuerziehen. In gewisser Weise ist das, in der westlichen Musik gepflegte »1« - oder »beat«-bezogene Denken für das Hören und Spielen afrikanischer Musik hinderlich. Als ich beim Erlernen eines Rhythmus Famoudou fragte: »Wo ist die Eins«?, antwortete er: »Was ist das«? Dies war ein Schlüsselerlebnis für mich. Es ist zwar zu bemerken, daß jeder Rhythmus einen eindeutig festgelegten Beginn hat, den ich abstrakt als »Eins« bezeichnen könnte. Dieser rhythmische Schwerpunkt wird jedoch vom afrikanischen Musiker anhand der real erklingenden Rhythmusmuster (pattern) erkannt, allen voran die »bloquage«. Die bloquage ist eine kurze rhythmische Formel, die den Anfang und den Schluß eines Musikstücks, außerdem das Ende des Solos der Tänzer bildet (siehe auch »Musik und Tanz im Festablauf«).
Zum Verstehen afrikanischer Musik von Gerhard Kubik
Lit Verlag Wien 2004
Seite 52
(Hervorhebungen von Fränki B. Frank)
Eines der konzeptuellen und methodologischen Hindernisse beim Studium und der Beschreibung afrikanischer Kulturen und ihrer verschiedenen Ausdrucksbereiche besteht in der Illusion ihrer Übersetzbarkeit. Dies gilt auch ganz besonders für den Bereich Musik/Tanz. Im Grunde genommen ist es nicht möglich, die kognitive Dimension irgendeiner spezifischen afrikanischen Musikkultur in europäischen Sprachen völlig richtig darzustellen.
Besonders das Vokabular der europäischen Musiktheorie hat kaum eine Chance, die Vorstellungswelt afrikanischer Musikkulturen zu erfassen, sondern erwies sich im Gegenteil bisher als das wichtigste Werkzeug zu ihrer Fehlinterpretation........
Seite 95
.......zweifelte selten jemand an der universellen Gültigkeit der europäischen Notenschrift zur Transkription von Musik.
Im Augenblick aber, wo versucht wurde, diese Time-line-Formel mittels der durationalen Zeichen der europäischen Notenschrift darzustellen, änderte sich ihr konzetueller Gehalt, wenn auch nicht ihr "Rhythmus"
der nächste Beitrag ist von Johannes Beer, erschienen im Booklet der CD: TROMMEL RHYTHMEN
DER MALINKE-HAMANA/GUINEA
Meistertrommler Famoudou Konate
Rhythmische Phänomene
Afrikanisches Musikempfinden unterscheidet sich fundamental vom westlichen Musik denken (denken unterscheidet sich immer von Empfinden). Deshalb soll versucht werden, Begriffe wie »Takt«, »Viertel«, »Achtel«, etc. zu vermeiden und durch allgemeinere, von der westlichen Musiksprache unbelastete Ausdrücke zu ersetzen.
Zu der in der afrikanischen Musikforschung heute gebräuchlichen Terminologie verweisen wir auf Kubik 1988 und Simon 1983.
In vielen musikethnologischen Publikationen wurde die Problematik der Verschiedenheit des »westlichen« und des »nicht-westlichen« Musikverständnisses diskutiert. Hier soll nun der Versuch gemacht werden, mit HiIfe meiner persönlichen Erfahrungen dem Verständnis der afrikanischen Rhythmik ein wenig näher zu kommen. Als klassisch ausgebildeter Schlag-
zeuger habe ich mich umfassend mit rhythmischen Problemen auseinandergesetzt. Bei meiner langjährigen, praktischen Beschäftigung mit afrikanischer Musik sah ich mich jedoch gezwungen, mir ein vollkommen neues Rhythmusempfinden anzuerziehen. In gewisser Weise ist das, in der westlichen Musik gepflegte »1« - oder »beat«-bezogene Denken für das Hören und Spielen afrikanischer Musik hinderlich. Als ich beim Erlernen eines Rhythmus Famoudou fragte: »Wo ist die Eins«?, antwortete er: »Was ist das«? Dies war ein Schlüsselerlebnis für mich. Es ist zwar zu bemerken, daß jeder Rhythmus einen eindeutig festgelegten Beginn hat, den ich abstrakt als »Eins« bezeichnen könnte. Dieser rhythmische Schwerpunkt wird jedoch vom afrikanischen Musiker anhand der real erklingenden Rhythmusmuster (pattern) erkannt, allen voran die »bloquage«. Die bloquage ist eine kurze rhythmische Formel, die den Anfang und den Schluß eines Musikstücks, außerdem das Ende des Solos der Tänzer bildet (siehe auch »Musik und Tanz im Festablauf«).
Fragen? Was?Wie?Wen?Wann?
Was ich frage
Was ist das? Wie nennt ihr das? Wozu gehört das? Warum macht ihr das? Was macht ihr da?
Wie ich frage
Gehört das zur Familie der dununba? gibt es eine Familie dununba? Und wenn ja, wo wohnt die bitte?
Wen ich frage
Was bedeutet Hochzeit für dich? Frage den Bräutigam, den Schneider, die Mutter der Frau, den Konditor, den Pfarrer, oder die Kinder aus erster Ehe; oder Scheidungsrechtsanwälte........
Wann ich frage
sprich bei welcher Gelegenheit. Zum Beispiel: Was machen Bäume?
Sie guckt zum Fenster hinaus und sagt: "bewegen sich im Wind". Er guckt in die Unterlagen und sagt: "schützen die Felder vor Erosion". Er klettert hinauf und sagt: "sie tragen Kirschen".
Antworten
siehe: Kreation aus Höflichkeit
Sprache um 3 Ecken
Deutsch - Französisch - Malinké. In Guinea "verständigen" sich oft Menschen, die nicht wirklich gut Französich sprechen mit Menschen, die nicht wirklich gut Französisch sprechen mit Hilfe der französichen Sprache. Värstentlisch dass da manch Umvärstentliches dabei herumkommt............
Immer wieder muss ich an die Übersetzungs-Marathons denken, die ich mit Ousmane Touré und Kabinet Keita (Wir nennen ihn kurz Keita; gesprochen wird es wie Keta) hatte.
Ich kam zum Beispiel mit einer Ton Aufnahme eines Liedes in Malinké.
Als erstes identifizierte Keita das Lied (Stammte die Aufnahme aus Conakry, kam meistens der Kommentar, dass der falsche Rhythmus dazu gespielt wurde). Dieser Abschnitt ging immer am schnellsten.
Dann hat er das Lied gesungen und Ousmane begann die Worte aufzuschreiben. Das war meistens der längste Teil, weil die Erklärungen, die Keita Ousmane geben musste, damit der (Ousmane) überhaupt wusste, was er da hin schreibt (Sie sprachen dieselbe Sprache!!) dauerten oft bis zu 20 Minuten pro Satz.
Ich gebe zu, dass das Übersetzen von Liedern auch sehr speziell sein kann, vor allem wenn sie schon alt sind. Sing doch mal einem Jugendlichen von heute "Hoc h auf dem gelben Wagen.......... vor.................
Dann standen die Sätze da, und wurden Wort für Wort übersetzt, was oft nicht ganz einfach ist, weil bestimmte Worte erst durch andere übersetzbar werden, oder gar nicht übersetzbar sind. Bsp: das deutsche Wort "mal" (wie übersetze ich eigentlich "warte mal" ins Englische?)
War alles Wort für Wort übersetzt, stand manchmal ein solcher Kauderwelsch

und als letztes kam dann die sinngemässe Interpretation.
freie Übersetzung: Ein Kind ist besser als alles (auf der Welt). Nimm hundert (Dinge) und schenk mir ein Kind. Ich gebe hundert als Gabe um ein Kind zu bekommen. Nimm hundert und schenk mir ein Kind
Keine Wunder, das massenweise lustige Liedtexte und Übersetzungen im Netz herumschwirren.............
Balakulanya denkolide, aya yeye so dina, iba kemata yenkoleddinkolede kemata ye so dina
Kingfisher-bird, when will I have a child of my own? There is no way you can buy it
Aber, ich würde auch nicht für meine Version die Hand ins Feuer legen. Dennoch haben wir oft gründlich gearbeitet, und ich bin öfter mit diesen Texten und Übersetzungen zu anderen gegangen und hab mir ihr Feedback dazu geholt, welches anhaltend positiv war.
siehe auch: Die Lieder
Stadt / Land Phänomene
Zusätzlich für Verwirrung sorgte, dass viele Musik-Suchende in den Städten unterwegs waren, was auch naheliegend war. Dort schwirrten die meisten Trommler herum, waren zum großen Teil auch noch hauptberuflich Trommler, und dadurch musikalisch entsprechend weit entwickelt. Diese Trommler hatten selbst aber auch schon lange den Kontakt zu ihrer Kultur auf dem Dorf verloren, weil sie in jungen Jahren in die Stadt gezogen waren um in sogenannten “Ballets” zu arbeiten, die zum Teil in politischer oder kommerzieller Funktion eine Mischung aus historischen Geschichten, Tanz und Musik herstellten und Künstler verschiedenster Völker beherbergten. Nicht selten wurde die Musik in einen neuen Kontext untergebracht, oder plötzlich tauchten in einer Geschichte, in der es um Dununba (Tanz der starken Männer (das ist eine massive Einengung der Bedeutung dieses Begriffs)) ging, auch Frauen auf, die sich dann natürlich auch tanzend über die Bühne bewegten, und schon war der Dununba für Frauen geboren.
Das Zusammentreffen vieler Kulturen in einer Stadt, und die Neigung der Stadt “das mit der Tradition” nicht so genau zu nehmen, sorgte auch dafür, daß Musik viel flexibler eingesetzt wurde, in neuen Zusammenhängen auftauchte und in der Form vielleicht auch nur für ein Jahr gültig war; weil im nächsten Jahr drängte es die Musiker bereits nach neuen Horizonten. Die Musik selbst wurde plötzlich zu einem eigenständigen und bestimmenden Faktor, und das Ansehen, das die Trommel Musik plötzlich in aller Welt genoss, hob auch das Ansehen und das Selbstbewusstsein der Trommler, die vorher eher streng einem kulturellen Anlass untergeordnet waren. Eine kreative Blase blies sich auf und platzte.
Ein ungeheurer Pool an kreativer Musik entstand und entsteht weiterhin. Die Frage nach dem, wo kommt das eigentlich her, und welche Bedeutung hatte es, wird dabei immer schwieriger.
Im Rahmen dieser WebSeite interessiert mich letztendlich auch mehr dieser kreative Pool, als auf den Spuren der Quellen zu wandern, die für uns, die Nicht-Afrikaner, auch wesentlich interessanter sind, denn wir werden kein “Soli” veranstalten, wir werden “Sofa” nicht erleben wollen, und die musikalische Begleitung eines “Kassa” kennen wir im Prinzip schon, wenn wir für eine bestimmte Arbeit eine bestimmte Musik spielen lassen, nur dass diese Musik in der Regel nicht LIVE geschieht, sondern aus einem Lautsprecher erklingt.
Das Zusammentreffen vieler Kulturen in einer Stadt, und die Neigung der Stadt “das mit der Tradition” nicht so genau zu nehmen, sorgte auch dafür, daß Musik viel flexibler eingesetzt wurde, in neuen Zusammenhängen auftauchte und in der Form vielleicht auch nur für ein Jahr gültig war; weil im nächsten Jahr drängte es die Musiker bereits nach neuen Horizonten. Die Musik selbst wurde plötzlich zu einem eigenständigen und bestimmenden Faktor, und das Ansehen, das die Trommel Musik plötzlich in aller Welt genoss, hob auch das Ansehen und das Selbstbewusstsein der Trommler, die vorher eher streng einem kulturellen Anlass untergeordnet waren. Eine kreative Blase blies sich auf und platzte.
Ein ungeheurer Pool an kreativer Musik entstand und entsteht weiterhin. Die Frage nach dem, wo kommt das eigentlich her, und welche Bedeutung hatte es, wird dabei immer schwieriger.
Im Rahmen dieser WebSeite interessiert mich letztendlich auch mehr dieser kreative Pool, als auf den Spuren der Quellen zu wandern, die für uns, die Nicht-Afrikaner, auch wesentlich interessanter sind, denn wir werden kein “Soli” veranstalten, wir werden “Sofa” nicht erleben wollen, und die musikalische Begleitung eines “Kassa” kennen wir im Prinzip schon, wenn wir für eine bestimmte Arbeit eine bestimmte Musik spielen lassen, nur dass diese Musik in der Regel nicht LIVE geschieht, sondern aus einem Lautsprecher erklingt.